Was will uns der Titel sagen?

Versuche einer Antwort:

1. Aufklärung ist Anpassung.

2. Ich will endlich entscheiden, was andere zu glauben haben.

3. Religionsfreiheit kenne ich nicht.

4. Für die Vorherrschaft über den muslimischen Pöbel brauche ich keine Qualifikation.

5. Mich hat keiner bestellt aber ich komm trotzdem.

6. Warum nur Extremisten bekämpfen?

7. Neuer Verband incoming.

8. Konservative Muslime sind unmündig.

9. Ich benutze meinen Verstand (im Gegensatz zu anderen Muslimen).

10. Die Mehrheit der praktizierenden Muslime wünscht sich die nächste theologische Freakshow.

11. Muslim ist eine Ethnie. Geht also auch ohne Islam.

Werbeanzeigen

Entlarvend

Das Justizministerium in Niedersachsen will alle religiösen Symbole für Richter und Staatsanwälte verbieten lassen. Das fällt ihnen aber erst ein nachdem eine Referendarin mit Kopftuch an Verhandlungen teilnehmen wollte. Kurz: Es geht nicht um religiöse Symbole. Es geht um „Kopftuchmädchen“. Die dürfen nicht und das bekommt man über den Umweg „Neutralität“ super hin. Klappt jedes Mal.

Das Frauenbild im Islam befördert Vergewaltigungen

Ganz sicher nicht. Selbst bei einer kritischen Haltung gegenüber den islamischen Lehren zum Verhältnis von Männern und Frauen ist dieser Satz völlig absurd. Trotzdem gerieret er sich zum Allgemeinplatz und zur Selbstverständlichkeit, sodass kürzlich selbst der fachfremde Traumapsychologe im DLF dazu meinte: „Das ist sicherlich so.“

Seine Antwort ist relativ verhalten, da er es natürlich nicht weiß aber vermutet. Zuvor hatte die Moderatorin ihn „missverstanden“ als er davon sprach, dass Geflüchtete die Erfahrung machten, dass die gewohnten Regeln in der neuen Heimat nicht mehr gelten und die neuen Regeln noch unverstanden seien. Ein moralisches Vakuum kann man das nennen, was der Psychologe beschrieb. Die Moderatorin machte daraus kurzer Hand und sehr gekünstelt: „Also sagen sie, das Frauenbild im Islam trägt dazu bei.“

Vor einigen Monaten hörte ich eine Reportage im WDR 5. Ein „Aussteiger“ behauptete, in einer DITIB Moschee laufe man Gefahr getötet zu werden, wenn man auf die Frage „Wie geht es dir?“ nicht mit „Alhamdulillah“ (Gott gebührt der Dank) antworten würde. Nirgendwo, nicht im radikalsten Kalifat, wäre so ein lächerlicher und nichts-sagender Lackmustest denkbar. Und schon gar nicht in DITIB-Moscheen, die gemeinhin als türkisch-nationalistisch aber religiös moderat bekannt sind. Das bestätigten kürzlich erst mehrere Verfassungsschutz-Ämter. Auf meine Beschwerde über die offensichtlich erfundene Geschichte und gezielte Angstmacherei in der Reportage hin, hielt eine WDR 5 Redakteurin es für angemessen, mir zu erklären, was pluralistische Meinungsvielfalt sei. Natürlich! Denn die unwahren Behauptungen über und die Stigmatisierung von Muslimen sind nicht das Problem, sondern der archaische Muslim, der sich über „Kritik“ beschwert. Der soll lernen, dass die Sharia hier nicht gilt. Ähnlich sah dies auch eine Staatsanwaltschaft nachdem ich einen Leserbrief zur Anzeige brachte. Der zuständige Staatsanwalt hielt den Text für „sehr scharf“ aber übersah zahlreiche Details, was ihn annehmen ließ, dass keine Volksverhetzung vorlag. Unbekannt war ihm beispielsweise, dass Asylbewerber natürlich eine Gruppe in Deutschland sind, die Opfer von Aufrufen zu Willkürmaßnahmen ihnen gegenüber sein können. Wie auch immer, auch an dieser Schaltstelle unserer Gesellschaft gab es keine Sensibilität für Muslimfeindlichkeit aber dafür ein großes Bedürfnis Muslimen die Welt zu erklären.

Das sind Anekdoten. Drei von unzähligen gleichartigen, die für ein großes Problem stehen: Abwegige Ressentiments und tiefsitzende Feindseligkeit gegenüber Muslimen oder dem Islam sind in allen Schichten der Gesellschaft völlig normal, was eine Studie der Universität Leipzig wenig überraschend diesen Monat auch bestätigt hat.

Wer hat’s verbrochen? Es sind Politiker, Behörden und Medien, die immer und immer wieder auf islamfeindliche „Islamexperten“ setzen und ihre Klischees für Fachwissen halten. Da ist das Einfallstor für offen islamfeindliche Parteien, Organisationen und Personen, die sich mit ihren fremdenfeindlichen Ansichten in der Mitte der Gesellschaft positionieren können, sobald sie diese auf Muslime beziehen. Und ich wage die Behauptung, dass genau dies auch der Hebel für ein neues dunkles Kapitel deutscher Geschichte sein wird. Denn egal wie extrem die Behauptung über Muslime ist, ein Großteil wird aus dem Bauch heraus sagen: „Das ist sicherlich so.“

Religion und Grundgesetz

Das Grundgesetz ist kein säkularreligiöses Gebetsbuch, niemand muss an den demokratischen Verfassungsstaat „glauben“. Und jede Religion hat einen inhärenten transzendenten Wahrheitsanspruch, der sich nach dem eigenen Selbstverständnis nicht irdischer Rechtsetzung unterordnen kann. „Es gibt nur so viel Gott, wie die Verfassung zulässt“ kann keine Religion als inneren Glaubenssatz akzeptieren. Erforderlich daher ist kein religiöser Gesinnungsgehorsam, sondern lediglich die Akzeptanz der staatlichen Rechtsordnung als verbindlich.

Gärditz, Klaus Ferdinand: Religionsfreiheit unter dem Vorbehalt der Verwirkung?, VerfBlog, 2018/9/30